Dr. Clemens Luhmann

Wohnort: Panajachel/Guatemala

Gallery Activities:

22.07.2016 – 22.09.2016 – Migración – Regensburg/PanAmericanArte Galerie

02.10.2016 – 28.10.2016 – Absichtlicher Zufall – Accidently ao Purpose – Ammerbuch – Breitenholz/Art-Road-Way Kunstschule am Schönbucg

Vita:

ABSICHTLICHER ZUFALL

Seine Bilder sind wie sein Leben. Ein „absichtlicher Zufall“. In Clemens Luhmanns Bildern scheinen sich die Formen und Farben explosionsartig über die Fläche verteilt zu haben – und dennoch einem höheren Ordnungsprinzip zu folgen. Nie denke er beim Malen an konkrete Dinge, erklärt der 51-jährige Künstler und Arzt. „Hier mischen sich Absicht und Zufall“.
Clemens Luhmanns eigenwillige Sicht auf die Welt ist sicher kein Zufall, denn er ist der Sohn des 1998 verstorbenen renommierten Soziologen Niklas Luhmann (Bielefelder Schule), der zu den Pionieren der Systemtheorie sowie der Chaosforschung zählt. Als jüngstes von drei Geschwistern wuchs Clemens in einem Elternhaus auf, in dem die Kunst – seine Mutter war Goldschmiedin – und die bahnbrechenden Forschungen des Vaters – ganz selbstverständlich das tägliche Leben prägten.

QUERDENKEN

Und wie sein Vater entwickelte sich auch Clemens, ein forschender Geist von umtriebiger Neugierde und Offenheit, zum Querdenker. Jenseits der Fußstapfen des bedeutenden Vaters und der früh verstorbenen kreativen Mutter entschied er sich für ein Studium der Medizin. Schnell zeigte sich dabei, dass ihm die Schulmedizin nicht ausreichte, ihn an Grenzen stoßen
ließ. Luhmann ließ sich von Sufis im Orient und Schamanen in Lateinamerika inspirieren und reflektierte und adaptierte
die außereuropäischen Erkenntnisse über das Heilen von Körper und Seele. Nach seiner Promotion in der Kardiologie und Ausbildung in der Allgemeinchirurgie entschied Luhmann sich für die Neuraltherapie, ein wissenschaftlich nicht anerkanntes Verfahren aus dem Bereich der Alternativmedizin. So geht die Neuraltherapie davon aus, dass es im Körper Störfelder gibt und eine lokale Anästhesie „Fernwirkungen“erzielen kann.
DER ATILÁN-SEE: „VIEL ZU VIEL DES GUTEN“

Heute lebt Luhmann mit seiner nicaraguanischen Frau Jenny und zwei kleinen Söhnen am Atilán-See im guatemaltekischen Hochland. Der See habe ihm erst richtig zum Maler gemacht, erklärt Luhmann. Er befindet sich in prominenter Gesellschaft:
Auch Alexander von Humboldt und Che Guevara verfielen dem überwältigenden Panorama des Kratersees. „Es ist wirklich viel zu viel des Guten“, schrieb Aldous Huxley. Inzwischen hat sich Luhmann, der von dem amerikanischen Maler Guido Bondioli unterrichtet wurde, als Künstler etabliert. In zahlreichen Ausstellungen in Mittelamerika sind seine Werke zu finden. Und immer wieder setzt er auf den „absichtlichen Zufall“. So in der Serie „Air Lines – visible and invisible“. Eine blanke weiße Postkarte der deutschen Künstlerin Elke Grundmann mit dem Titel „Airlines, air on white“ habe ihn zu der Reihe inspiriert. Dabei beleuchtet er die sichtbaren und unsichtbaren Luftlininien von drei Gesichtspunkten aus: philosophisch, neurophysiologisch und künstlerisch.
„Man sieht, dass man nichts sieht“, erklärt Luhmann angesichts der virtuosen Zickzacklinien, die da unsichtbar seien, wo sie unterbrochen sind. Wenn man nichts sehe, neige das Gehirn dazu, etwas hinzuzufügen, so der Künstler-Mediziner. In der Regel sei das etwas aus dem Umfeld, also zum Beispiel die Imagination der Weiterführung einer Linie hinter einem Gegenstand.
POESIE ALS PASSION

In Anlehnung an den Titel des Werkes „Liebe als Passion“ seines Vaters Niklas hat Clemens Luhmann 2012 die Anthologie „Poesie als Passion“ im Fink Verlag herausgegeben. Diese enthält 470 bis dahin unveröffentlichte Gedichte des Juristen Friedrich Rudolf Hohl, „Denk-Gedichte“, wie Niklas Luhmann die Poesie seines besten Freundes gewürdigt hatte. In der Gemäldeserie „Inquietud“, (¨Unruhe¨), bezieht sich Clemens Luhmann nun auf eines dieser Gedichte,
visualisiert es. Die Eingangsstrophe von Hohls „Die Unruhe der Evolution: Kunst (?)“ scheint gleichermaßen Programm des künstlerischen Ausdrucks von Clemens Luhmann:

Zer-reißen
Her-gebrachte Perspektive
Un-Ordnung stiften
Erratische Blöcke zum Tanzen
Bringen
Klassische Muster in so
Starkes Schwingen ver-
Setzen, daß sie zerspringen…
Textauszüge mit freundlicher Genehmigung von Dr. Inge Pett, Kunsthistorikerin /Globe-M – Berlin